Heft 2-2012, 36. Jahrgang

Kultur des Sehens

HerausgeberInnen: Ursula Esterl & Hajnalka Nagy

Wir leben in einer stark visuell geprägten Welt, die sich durch viele verschiedene optische “Reize” mitteilt. Doch fehlt es zumeist an Zeit und Bereitschaft, häufig auch an den erforderlichen Fähigkeiten, sie zu entschlüsseln. Für ein kompetentes, selbstbestimmtes Zurechtfinden in einer bilddominierten Umwelt ist es erforderlich, Fähigkeiten zu entwickeln, die uns helfen, mit Bildern adäquat umzugehen, visuelle Botschaften zu verstehen, kritisch zu bewerten und auch selbst zu produzieren.

Bei aller Konzentration auf Standards und Normen in aktuellen Bildungsdebatten darf und soll nicht vergessen werden, dass Wahrnehmungsschulung, die Entwicklung von Imaginationsvermögen, Kreativität und Phantasie, wesentliche Ziele in einer ganzheitlich gedachten (Aus)Bildung junger Menschen sind, in der über die sinnlichen Wahrnehmungen nicht nur die kognitive, sondern auch die emotionale und affektive Dimension des Lernens mitberücksichtigt wird. In diesem Sinne sollen SchülerInnen nicht nur lernen, äußere Bilder wahrzunehmen und innere Bilder entstehen zu lassen, sie werden auch dazu angeleitet, sich selbst einzubringen, Bildimpulse mit der eigenen individuellen Wahrnehmungsweise zu verarbeiten, dem Gesehenen Sinn zu entnehmen und für die eigene Entwicklung zu nutzen. Dieser Dreischritt aus Rezeption, Produktion und Urteilsfindung bei der Arbeit mit visuellen Impulsen bildet die Grundlage eines ganzheitlichen ästhetischen Lernens, das sich von vielen sonst dominierenden kognitivintellektuellen / pragmatischen Lern- und Erfahrungsformen abhebt.

In diesem ide-Heft geht es also in erster Linie darum, in der Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Sichtweisen neue Einsichten zu gewinnen, die Augen zu öffnen, den Blick zu lenken – kurz: um die Entwicklung eines kritischen Kultur- und Medienbewusstseins, das weit über den (Deutsch)Unterricht hinausgeht und zur Teilhabe am gesellschaftlichen und kulturellen Leben befähigt.

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