Heft 3-2014, 38. Jahrgang

Österreichisches Deutsch und Plurizentrik

Herausgegeben von:  Jutta Ransmayr, Andrea Moser-Pacher & Ilona Elisabeth Fink

Sprache ist Teil der Identität. Die deutsche Sprache verfügt über unterschiedliche, gleichwertig nebeneinander stehende (nationale) Varietäten. Eine davon ist das österreichische Deutsch. Dies ist zwar auf der theoretischen Ebene hinlänglich bekannt. Ein Blick in den Alltag zeigt uns allerdings, dass sich diese Tatsache nicht unbedingt in den Köpfen der Sprachbenutzer widerspiegelt. Der Umgang der Österreicherinnen und Österreicher mit der eigenen Varietät schwankt häufig zwischen zwei Extremen: vehementes, patriotisches Verteidigen des österreichischen Deutsch einerseits, Zweifel am Prestige und an der Richtigkeit des österreichischen Deutsch andererseits.

Durch das kontinuierliche In-Frage-Stellen der eigenen Varietät bleibt auch die sprachliche Identität unklar, zumeist aus mangelndem Bewusstsein und basierend auf unscharfen Definitionen. Begriffe wie Standarddeutsch, Hochdeutsch, Dialekt, Österreichisch werden vielfach nicht klar getrennt. Daher ist hier vor allem – aber nicht nur – der schulische Bereich ein wichtiges Handlungsfeld, um die Bildungslandschaft Österreichs für die österreichische Varietät der deutschen Standardsprache zu sensibilisieren. Durch bewusstes Wahrnehmen von Sprachen und das genaue Hinhören auf Varietäten im Unterricht kann der selbstbewusste Gebrauch von Sprachen gefördert und gestärkt werden. Die Sprecherinnen und Sprecher gewinnen an (sprachlicher) Identität, was in einer zunehmend brüchigen Welt gerade jungen Menschen Orientierung und Verortung bietet.

Nach einer Einführung in das Thema werden den Lehrkräften Handreichungen gegeben, um im Unterricht und in der Korrekturpraxis mit der Thematik der standardsprachlichen Variation des Deutschen fachlich und fachdidaktisch versiert umgehen zu könen. Dabei werden in diesem Heft u.a. erste Ergebnisse eines im Herbst 2012 begonnenen Forschungsprojekts präsentiert, welches die Rolle des österreichischen Deutsch im muttersprachlichen Deutschunterricht an österreichischen Schulen näher untersucht. Darüber hinaus gibt es auch Hinweise zum Ton und zur Stimmigkeit des “Österreichischen”, denn Sprachen zu hören ist eine primäre Erfahrung und erreicht auch Menschen, die nicht in schriftsprachlich geprägten Lebenswelten zuhause sind. Schließlich dient dieses Heft auch als Plattform, um die verschiedensten Ansätze zum Thema sichtbar werden zu lassen, wodurch die LeserInnen einen Einblick in den wissenschaftlichen Diskurs über die Plurizentrik und die länderspezifischen Varietäten des Deutschen bekommen und als Handelnde im Unterricht ihren eigenen Beitrag zum Thema österreichisches Deutsch, Plurizentrik und Identität leisten können.

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  • Editorial

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Zusatzmaterialien

  • Gregor Chudoba: Arbeitsblatt 1 - Unterschiede der österreichischen und der deutschen Standardaussprache

  • Gregor Chudoba: Arbeitsblatt 2 - Sprachliches Kontinuum 1, Wortschatz

  • Gregor Chudoba: Arbeitsblatt 3 – Dialektale Variation

  • Gregor Chudoba: Arbeitsblatt 4 – Dialektale Akzeptanz